Die Zukunft der Paketbox ist multifunktional

Die Zukunft der Paketbox ist multifunktional

LOGISTIK 2030+: Steigende Akzeptanz und Anzahl von betreiberunabhängigen Paketboxen in Niederösterreich und Wien – durch bessere Planbarkeit der KEP-Routen und erhöhte Zustellquoten soll die Umwelt entlastet werden. Die Paketboxen werdenzunehmend mit weiteren Serviceleistungen verbunden.

2016 wurde das Projekt „Nachhaltige Logistik 2030+ Niederösterreich-Wien“ (kurz: „Logistik 2030+“) ins Leben gerufen. Vertreter aus der Transport- und Logistikbranche sowie Verantwortliche für die Stadt- und Regionalplanung haben sich zusammengesetzt, um zukunftstaugliche Lösungen und passende Maßnahmen für die Anforderungen der Gütermobilität in der Region Wien-Niederösterreich zu entwickeln.

In einem drei Jahre dauernden Stakeholderprozess wurden wichtige Themenfelder identifiziert, Zukunftsszenarien für die kommenden zehn Jahre entwickelt und daraus ein Aktionsplan festgelegt, der eine praxisnahe Umsetzung mit konkreten Maßnahmenpaketen ermöglichen soll. Eines der in Summe 35 vorgenommenen Themen widmet sich der Optimierung des Last-Mile-Bereichs. Es galt, „effiziente Lösungen für die Paketzustellung zu entwickeln und umzusetzen“, wie es in den Projektunterlagen hieß.

31 Prozent Zuwachs

Die ersten Zwischenergebnisse stimmen das Projektteam optimistisch: Das gesamte Netz an Paketboxen wuchs allein von Oktober 2019 bis April 2020 in Wien und NÖ um 31 Prozent von 219 auf 287 Standorte an. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Österreichische Post nun gegenüber den betreiberunabhängigen Systemen öffnet – die Bedingungen dafür wurden definiert. Es wurden auch weitere Serviceleistungen (Click & Collect, Schließfachlösungen etc.) rund um die Paketboxen initiiert und entwickelt.

Andrea Faast (Leiterin der Standort-und Infrastrukturpolitik der WKW) bestätigt die Notwendigkeit, gerade jetzt an einer effizienten Paketzustellung zu arbeiten, und betont gegenüber Verkehr: „Die steigende Nachfrage nach offenen Paketboxen hat gezeigt, dass nun die Zeit dafür reif ist. Wir sprechen hier nicht mehr von Laborversuchen, sondern von bereits in der Praxis erprobten Systemen. Damit können CO2-Einsparungen durch die Reduzierung des Verkehrsaufkommens erzielt werden.“

Auch Logistikexperte Gerald Gregori bestätigt den Zuspruch auf die vor allem offenen Systeme. „Das Projekt hat auch mittlerweile die Politik bis in die höchsten Ebenen der Landesregierungen erreicht. Sie sehen, dass die Paketboxen immer mehr zu einem wichtigen Warenaustauschort für Produkte und Dienstleistungen aller Art werden. Gerade lokale Händler und Bauern können auch davon profitieren, wenn sie über Click & Collect ihre Produkte online anbieten und der Kunde sich diese dann von der Paketbox abholen kann“, so Gregori.

Ortskernbelebung

Für Christian Popp (Amt der Landesregierung NÖ, Abteilung Raumordnung und Gesamtverkehrsangelegenheiten) ist die steigende Anzahl an betreiberunabhängigen Paketboxen ein wichtiger Baustein, um Kosten und Umwelt zu schonen. „Die KEP-Zustellfahrten können damit weiter optimiert werden. Wir sehen vor allem für die multifunktionalen Paketboxen auch in entlegeneren Gebieten zur Ortskernbelebung noch viel Potenzial. Zusätzlich bieten sich natürlich stark frequentierte Lagen an, wie u. a. Haltstellen des öffentlichen Verkehrs, Paketboxen aufzustellen. So konnten wir u. a. auch die Wiener Lokalbahnen und den Handelskonzern Spar zusammenbringen und ein Projekt in der Station Griesfeld realisieren“, betont Popp.

Standardisierung und Finanzierung

Die nächsten Schritte im Projekt sind für Gregori klar: „Zunächst müssen einheitliche Standards der Paketboxen u. a. für die Kommunikation mit den Kunden definiert und umgesetzt und die richtigen Standorte ausgewählt werden. Ganz entscheidend wird aber sein, dass auch die Österreichische Post und Amazon in die offenen Systeme hineinliefern. Erstere öffnen sich nun unter gewissen Bedingungen, grundsätzlich gegenüber neutralen Systemen.“

Ein weiterer erfolgsentscheidender Punkt ist das Finanzierungsmodell. Hier sind mehrere Möglichkeiten gegeben. Die Finanzierung der Aufstellung, der Wartung- und Instandhaltung können im Wohnbau über die Betriebskosten abgerechnet werden bzw. die KEP-Dienstleister zahlen, wie schon jetzt an diverse Paketübernahmeshops üblich, rund 50 bis 70 Cent pro Paket. In weniger frequentierten Aufstellungsorten der Paketboxen werden die Gemeinden bzw. Länder zusätzlich einen Teil der Kosten übernehmen müssen, ansonsten werden sie kaum rentabel zu führen sein. „Hochfrequente Lagen sollten sich aber selbst finanzieren“ betont Popp gegenüber Verkehr.

CO2-Einsparung

Auch Emanuel Rom, zuständig für den Vertrieb Österreich-Ost beim derzeit größten betreiberunabhängigen Systemanbieter Renz, sieht noch viel Potenzial, die Regionalität durch offene Paketboxen zu unterstützen.“ So können die Kunden 24/7 u. a. auch von Bäckereien, Schustern und Dienstleistern erreicht werden. Wir gehen davon aus, dass wir heuer in Summe 100 Anlagen in Wien und NÖ aufstellen werden“, betont er. „Gerade in Zeiten wie diesen finden wir es toll, dass wir einen Teil zur CO2-Einsparung und zur Entlastung der Transportwege beitragen können“, fügt er hinzu.

Rollout-Verzögerung

Auch die von A1 aufgestellten Paketstationen verlängern die Öffnungszeiten sowohl für lokale Händler als auch für deren Kunden. „Paketdienstleister können unsere offenen Systeme als alternativen Zustellort nutzen, falls der Empfänger nicht zuhause ist. Der Rollout ist weiterhin ongoing, aufgrund der Covid-19-Krise kommt es allerdings zu Verzögerungen“, führt Sigrid Bachinger (CEO Unit A1 External Communications, A1 Telekom Austria) aus.

Marktwachstum

„Wir werden auch bald Kühlelemente für temperaturempfindliche Waren in unseren Paketstationen einbauen“, sagt Franz Spindler, Geschäftsführer bei Variocube. „Auch wenn die Corona-Krise uns ein wenig gebremst hat, wollen wir die Anzahl der Standorte unserer Paketboxen im Projektgebiet bis Ende 2020 verdoppeln. Zu Beginn des Lockdowns kam es fallweise zu Verzögerungen durch die Behörden, ob nun Paketboxen systemrelevant seien oder nicht. Mittlerweile gibt es darüber keine Diskussion mehr“, so Spindler.

Lukas Wieser, Head of Partnerships beim Innovationsprojekt „Myflexbox“ der Salzburg AG, sieht auch das Potenzial von betreiberunabhängigen Systemen. Myflexbox wird nun auch Logistik 2030+ beitreten, da der Austausch mit den nationalen Keyplayern entscheidend sei, wie Wieser sagt. „Ohne Vernetzung gibt es keine smarte Logistik“ führt er gegenüber Verkehr aus. Er will innerhalb der nächsten zwölf Monate die Anzahl der Myflexboxen in Östereich in den dreistelligen Bereich bringen.

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